Base mix

Installation
Ausstellungen / Exhibitons
+ «Nach 68 / Verlangen und Begehren» Kunsthalle Exnergasse 1998
+ «liebe kollegin» Wolfsburger Kunstverein 2001
+ «tätig sein» NGBK Berlin 2004

Video
Mit / with: Gloria + Moira Zoitl
Kamera / camera: Ralf Hoedt, Moira Zoitl
Schnitt / editing: Peter Gstach, zone
Dt / german, 19:15 min.
1998 © Moira Zoitl

dt/engl
«Ich glaube nicht so recht an das ‚eigene Leben’. Was immer es auch sein mag, so ist es bereits kolonialisiert von den Prinzipien und ästhetischen Idealen, welche die Gesellschaft dir anbietet. So etwas wie ein losgelöstes, abstraktes Selbst gibt es nicht.»

Diese Aussage stammt aus der nach dem Kunststudium in Wien entstandenen Videoarbeit «base mix», 1998, in der Moira Zoitl ihre eigene Situation als Künstlerin untersucht. Im Drehbuch vermischt sie subjektive und gesellschaftspolitische Bezüge im Hinblick auf die Rolle der Künstlerin in der Gesellschaft. Dafür analysiert und inszeniert sie mit ihrer Mutter als Darstellerin eine konkrete biografische Situation und stellt diese in einen zeitspezifischen Kontext. Denn auch Gloria Zoitl ist Künstlerin, konnte jedoch ihre künstlerische Arbeit aufgrund ökonomischer Zwänge als allein erziehende Mutter nur neben ihrem Beruf als Beratungslehrerin ausüben. Die biografischen Geschichten sampelt Moira Zoitl im Textskript für das Video mit Aussagen arrivierter Künstlerinnen, die sich über ihre Stellung als Künstlerinnen im Kunstsystem sowie in der Gesellschaft äussern. In einem fingierten Interview stellt Moira Zoitl an Gloria Zoitl Fragen, deren Antworten die Darstellerin von einer nicht sichtbaren Vorlage abliest. Das erklärt die holprig wirkende Gesprächssituation. Der durchaus strengen Inszenierung kommt in «base mix» eine wichtige formale und inhaltliche Rolle zu, in der Erinnerung als Kaleidoskop aus Anekdoten und Fakten verstanden wird. Weniger wird ein persönliches Porträt der Mutter als ein spezifisches Porträt der siebziger Jahre produziert. Moira Zoitl macht damit die Kunstgeschichtsschreibung, die sich auf ihr Rollenverständnis als Künstlerin auswirkt, in ihrer Konstruktion sichtbar. «Dabei geht es mir allerdings nicht so sehr darum, authentische Ereignisse abzubilden, sondern vielmehr darum, strukturelle Forschungen zu betreiben», sagt Gloria Zoitl im Video und damit zugleich Moira Zoitl über ihre Arbeitsweise im Drehbuch bzw. Valie Export über ihre künstlerische Praxis. Indem es keine Quellennachweise gibt, wird nie klar, wer gerade spricht. Insofern ist «base mix» eine gleichermassen auf Vorstellungen und Realität basierende Collage zur Rolle der Künstlerin in unserer Gesellschaft. In diesem Video, das momentan in der Gruppenausstellung «tätig sein» in der NGBK zu sehen ist, werden Themen und Arbeitsmuster vorgelegt, die als paradigmatisch für spätere Arbeiten von Moira Zoitl gesehen werden können.

Zitat aus: Doris Berger »Erzählte Identitäten in den Raum gestellt«, in Kunst-Bulletin Nr. 6, Juni 04.

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engl
Austrian artist Moira Zoitl deals with different roles and biographies of women. In her work, she mixes self-experienced, historical reconstructed and media-transported elements.
In the video and installation >base mix, 1998< Zoitl talks to her mother Gloria, who is also an artist, about life as a women, from the perspective of their own mother-daughter relationship. The interview is based on a mixture of Gloria Zoitl’s biography and quotes from other women artists of the same generation (born around 1945), such as Valie Export, Carolee Schneeman and Chris Reinecke. The combination of fragments of her mother’s real and fictive constructions of how she could have lived turns out to be a representative of the lives of women of this generation. And we find a reciprocal construction between personal autobiography and social roles – yet again representative of women’s experience in our society.

Julia Schäfer from: ART WORKS – Autobiography. Catalogue edited by Barbara Steiner and Jun Yang. Thames and Hudson Ltd. London.

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